DRG-Baureihe E 71.1 (Preußische EG 511- EG 537)

Technische Daten

27.12.1986 Bruchsal

27.12.1986 Bruchsal

Foto: Werner & Hansjörg Brutzer

Nummerierung:
bei Ablieferung:pr. EG 511 - EG 537
E 71 11 - E 71 37 (DR/DB)
Stückzahlen: 27
Baujahre: 1914 1924
Ausmusterung: 1930-1959
Höchstgeschwindigkeit: 65 km/h
Dauerleistung: 590 kW
Länge über Puffer: 11.600 mm
Dientstmasse: 64,9 t
Hersteller: AEG
Bauart: B'B'

Geschichte

Die zweimotorigen Elektrolokomotiven EG 511 bis EG 537 der Preußischen Staatsbahn waren für den Güterzugdienst konzipiert.

Die Preußische Staatsbahn bestellte 1913 mit Beginn der Elektrifizierung zunächst 18 Lokomotiven für die Strecke Magdeburg-Dessau-Leipzig-Halle. Die erste Maschine (EG 511) wurde 1914 ausgeliefert, im gleichen Jahr folgten noch die EG 512 und EG 513. Mit Ausbruch des Ersten Weltkrieges wurde die Elektrifizierung zunächst eingestellt und die Lokomotiven wurden nach Schlesien ins BW Nieder Salzbrunn überführt. Diese Maschinen wurden 1920 in den Bestand der Deutschen Reichsbahn übernommen.

Die Auslieferung der EG 514 bis EG 516 erfolgte im Jahr 1920 ebenfalls nach Schlesien. Einsatzgebiet war die von Nieder Salzbrunn ausgehenden Strecken nach Gottesberg, Halbstadt sowie Königszelt. Die noch ausstehenden Lokomotiven wurden 1921 und 1922 an die Eisenbahndirektion Halle ausgeliefert. Diese wurden in den Betriebswerken Bitterfeld, Roßlau und Leipzig-Wahren stationiert. Die in Schlesien stationierten Maschinen folgten im Jahr 1923. Sie wurden vor Güterzügen auf den bereits elektrifizierten Strecken in Mitteldeutschland eingesetzt und prägten das Bild dieser Strecken maßgebend.

1926 erhielten die verbliebenen Lokomotiven (EG 12 wurde nach einem Unfall ausgemustert) die Baureihenbezeichnung E 71.1. Dabei wurde die Nummer E 71 12 zwar berücksichtigt, aber wegen der ausgemusterten EG 512 nicht vergeben. Die Lokomotiven wurden somit unter E 71 11 bis E 71 37 eingereiht.

Mit Auslieferung der stärkeren Güterzuglokomotiven der Baureihe E 75 wurde die Baureihe E 71.1 im ursprünglichen Einsatzgebiet immer weiter verdrängt. Im Frühjahr 1928 wurden mehrere Maschinen ans BW Basel abgegeben, um dort auf der Wiesen- und Wehratalbahn den Güterzugverkehr abzuwickeln. Die restlichen Loks wurden als Ersatzteilspender abgestellt, verblieben aber in Mitteldeutschland. Bereits im Oktober 1928 wurden diese reaktiviert. Die Elektrifizierung der Strecke zwischen Halle und Magdeburg verursachte nämlich ein Mangel an Elektrolokomotiven. Nach dem Anschluss Österreichs wurden fünf Lokomotiven inm BW Schwarzach St. Veit stationiert.

Neun Lokomotiven wurden bereits vor dem Zweiten Weltkrieg in den Jahren 1930 bis 1938 ausgemustert, durch Kriegsschäden weitere sieben in den Jahren 1940 bis 1945. Zwei betriebsfähige Maschinen verblieben nach Kriegsende in Österreich, sechs gingen in den Bestand der Deutsche Bundesbahn über und eine wurde von der Deutschen Reichsbahn übernommen.

Die beiden österreichischen Lokomotiven wurden 1947 gegen zwei Maschinen der Baureihe E 33 eingetauscht. Die E 71 30 der Deutschen Reichsbahn wurde 1946 in die UdSSR überführt, kam 1952 aber wieder zurück.

Die Loks der Deutschen Bundesbahn wurden weiter auf der Wiesen- und Wehratalbahn eingesetzt. Dort verrichteten sie bis Ende der 1950er Jahre den Dienst, bis sie schließlich von der Baureihe E 32 verdrängt wurden. Die letzte Lokomotive war die E 71 28 und wurde am 4. August 1958 ausgemustert.

Die Ära der E 71 war somit endgültig vorbei, sie zählte zu den ersten in Deutschland eingesetzten Elektrolokomotiven. Wegen ihres Aussehens erhielt sich auch den Spitznamen Krokodil.

Von den einst 27 gebauten Lokomotiven blieben nur drei der Nachwelt erhalten. Die 1952 aus der UdSSR zurückgekommene E 71 30 wurde in den 1960er Jahren restauriert und kam ins Verkehrsmuseum Dresden. Für Demonstrationszwecke bekam die Lokomotivführerschule in Troisdorf die E 71 22. Ihr weiterer Verbleib ist leider unbekannt und gilt somit als verschollen. Die E 71 28 kam zur musealen Aufarbeitung ins AW München-Freimann und war 1985 zum 150 jährigen Bahnjubiläum bei der großen Fahrzeugschau in Bochum-Dahlhausen vertreten. Heute ist sie im Deutschen Technikmuseum in Berlin ausgestellt. Die 1958 ausgemusterte E 71 19 diente bis 1968 in München als Anschauungsobjekt zur Schulung von Lokomotivführern. Dort geriet sie in Vergessenheit. Witterung und Vandalismus setzten ihr schwer zu, schließlich war sie von der Verschrottung bedroht. Das DB Museum Nürnberg restaurierte sie von 1998 bis 2000. Den Großbrand des Lokschuppens am 17. Oktober 2005 überstand die E 71 19 glückicherweise unbeschädigt. Im Frühjahr 2007 wurde sie in den Bahnpark Augsburg als Leihgabe überführt und im Zuge der Veranstaltung Länderwoche Luxemburg, "Krokodile im Bahnpark" der Öffentlichkeit präsentiert. Von der E 71 13 blieb nur ein Triebgestell im Eisenbahnmuseum Neustadt erhalten.

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